Es gibt Ereignisse in der Berliner Politik, die machen mich einfach fassungslos. Sie verschlagen mir schlicht die Sprache. Offensichtlich war „Original Play“ allen Ernstes bisher in Berliner Kitas erlaubt. „Original Play“ versteht sich als „pädagogisches Konzept“, bei dem Kinder mit ihnen unbekannten Menschen kuscheln und toben. Die sogenannten „Trainer“ zahlen dafür. Unfassbar.

Es liegt doch auf der Hand, welche Menschen sich durch ein solches Angebot angesprochen fühlen. Wer eine solche Pädagogik unterstützt und in Kitas zulässt, ist bestenfalls naiv. Welchen Sinn macht es, Kinder mit wildfremden Personen spielen und kuscheln zu lassen? Kinder haben meist einen Instinkt, ihnen fremden Menschen aus dem Weg zu gehen. Und das ist auch gut so. Eltern vertrauen darauf, dass ihre Kinder in den Betreuungseinrichtungen behütet sind und gefördert werden. Stattdessen wurden sie offenbar einer Pädagogik ausgesetzt, die Kinder zu Freiwild gemacht hat.

Manja Schreiner: Das Vertrauen der Eltern ist schwer erschüttert

Es ist gut, dass die Berliner Senatsverwaltung „Original Play“ jetzt einen Riegel vorgeschoben hat – wenn auch zu spät. Die Frage bleibt, warum hat sie dieses Konzept überhaupt zugelassen? Es ist richtig, dass die Berliner CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus einen Dringlichkeitsantrag gestellt hat, um von der SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres Auskunft zu verlangen. Die Eltern, die ihre Kinder in Berliner Kitas abgeben, haben das Recht zu erfahren, in welchen Einrichtungen genau sich hinter einem vermeintlich pädagogischen Konzept Doktorspiele mit Erwachsenen verbargen. In welchen Kitas ist es zu sexuellen Übergriffen gekommen? Seit wann hatte die Senatsverwaltung welche Informationen über Original Play, das geradezu zu sexuellen Übergriffen einlädt? Was ist über den Verein und seine dubiosen Geschäftsmodelle bekannt? Warum gelingt es in den Kitas nicht, andere Methoden zur Gruppenstärkung und Selbstbestimmtheit über körperliche Kontakte anzuwenden, als ein Konzept, von dem sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Pädophile angesprochen fühlen können? Wo bleibt hier der Instinkt und der gesunde Menschenverstand?

Als Mutter frage ich mich nicht erst seit den jüngsten Vorwürfen, wann die Berliner Landesregierung endlich aufhört die Kinder- und Jugendhilfe und die Bildungspolitik zum Experimentierfeld für absurde Bildungskonzepte zu machen. Das Vertrauen der Eltern ist schwer erschüttert, wenn sie in den Einrichtungen um die Sicherheit ihrer Kinder fürchten müssen.