Das Auto mit Verbrennungsmotor entwickelt sich gerade zum Lieblingsfeind Nr. 1 in Deutschland. Es fallen Worte wie „Klimakiller“ und „Treibminen“. Die grüne Senatorin Regine Günther in Berlin fordert, Autos mit Verbrennungsmotor aus der Bundeshauptstadt zu verbannen und nur noch E-Autos zuzulassen. Der Berliner Senat übertrifft sich von Woche zu Woche selbst mit Vorschlägen, die schlicht und ergreifend nicht umsetzbar sind.

Nicht falsch verstehen: Wir brauchen ein Umdenken. Wir brauchen schnelles Handeln in der Klimapolitik. Wir müssen dies auf allen Ebenen einfordern. Es ist gut, dass Schülerinnen und Schüler auf die Straße gehen und sich dafür einsetzen, damit jetzt endlich mehr gegen die Erderwärmung getan wird. Doch mit radikalen Forderungen, mit einer quasireligiösen Verteufelung des Verbrennungsmotors kommen wir nicht weiter. Fridays for Future ist eine weltweite Volksbewegung. Niemand sollte sie für extreme Positionen in welche Richtung auch immer missbrauchen. Den Wettbewerb um die wirksamsten Mittel gegen den Klimawandel gewinnt man nicht mit Aktionismus und Ideologie, sondern mit Innovationskraft und Technologie und natürlich mit gesundem Menschenverstand. Wer pauschal dazu beiträgt, eine ganze Industrie, die auch in Berlin tausende Arbeitsplätze sichert, an den Pranger zu stellen, der verkennt, dass die Autoindustrie mehr Geld in Forschung und Entwicklung steckt, als alle Pharmaunternehmen in Deutschland zusammen.

Manja Schreiner: Jeder von uns kann jeden Tag zum Klimaschutz beitragen

Es ist Augenwischerei den Menschen vorzugaukeln, wir könnten in naher Zukunft auf den Verbrennungsmotor verzichten. Die Forderung für ein Aus der Verbrennungsmotoren in Berlin ist grober politischer Unfug. Die Festlegung auf E-Autos ignoriert nicht nur die desolaten Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern, unter denen z.B. Kobalt abgebaut wird. Auch die Umweltbelastungen bei der Rohstoffgewinnung und Produktion der Batterien ist hoch, die Entsorgungsfrage noch nahezu ungelöst. Mit einer steigenden Anzahl von Autos mit Elektromotoren müssen auch die Voraussetzungen für einen klimaneutralen Betrieb wachsen. Dazu gehört zum Beispiel eine entsprechende Ladeinfrastruktur. Wie sollte das mit den rund 500 Ladesäulen in Berlin zu schaffen sein?

Ich wünsche mir mehr Vertrauen in die Innovationskraft deutscher Unternehmen. Wir können es uns nicht leisten, andere vielversprechende Antriebstechnologien wie z.B. die Brennstoffzelle zu vernachlässigen oder technologische Optionen abzuwürgen, die wir morgen vielleicht noch brauchen. Keine Frage: Wir müssen CO2-Emmissionen senken. Doch mit welcher Technologie das geschieht, ob mit synthetischen Kraftstoffen oder mit einem Auto, das nur einen Liter verbraucht, das ist mir persönlich gleich. Das Ziel eines klimaneutralen Individualverkehrs ist klar. Der Weg dorthin darf keine ideologischen Schranken haben. Das nennt man Technologieneutralität. Und die brauchen wir, um den Klimawandel zu bremsen.

Und ganz wichtig ist mir: Fassen wir uns doch jenseits guter Rahmenbedingungen durch die Politik alle einmal selbst an die Nase. Hinterfragen wir unser Alltagsverhalten. Jeder von uns kann jeden Tag zum Klimaschutz beitragen: Weniger Fleisch essen, Strom und Wasser nicht verschwenden, plastikfrei einkaufen, Müll nicht in der Natur entsorgen. Auch ich fahre nicht immer mit dem ÖPNV, ich esse gerne mal ein Stück Fleisch. Trotzdem ist mir die Bewahrung der Schöpfung wichtig. Viele kleine Entscheidungen in unserem Alltag bewusst treffen – auch das kann zum Klimaschutz beitragen.